Wir müssen reden! Es gibt so Dinge am Älterwerden, über die niemand spricht und über die man sichtlich auch nicht aufgeklärt wird, was ich beides nicht korrekt finde. Man muss doch wissen, was da so auf einen zukommt. Andauernd wird ausschließlich über die offensichtlichen Dinge wie zum Beispiel „Falten“ gesprochen. Auch wenn ich mittlerweile schlechter sehe, das sehe ich auch selbst, ist ja auch nicht zu übersehen. Und dann gibt’s da noch so Spezialeffekte wie zum Beispiel die Tatsache, dass ich, so ich nächtens Pipi muss – was übrigens sehr häufig vorkommt –, mir vorkomme wie ’ne steife Breze, die versucht, aus der Bäckerei zu laufen. Betonung auf „versucht“. Da ich stur bin, schlage ich mich bei den derzeitigen Strompreisen im Dunkeln zum „stillen Örtchen“ durch. Also nicht ich, sondern vielmehr meine kleine Zehe. Ich bezeichne sie liebevoll als mein „Nachtsonargerät“. Und „still“ ist es auch weniger, weil ich andauernd irgendwo anlaufe und schreie, bis ich es auf den eiskalten Deckel schaffe.
Wie auch immer, es dauert auf jeden Fall ’ne Weile, bis mein „steifer Brezelgang“ auch nur halbwegs „geschmeidig“ aussieht, aber von sexy sind wir echt meilenweit entfernt. Nun gut, für manch einen, der sich jetzt fragt: Wieso muss man auf dem Weg zum Klo, obendrein, wenn es „dunkel-munkel“ ist, sexy aussehen? Muss man nicht, tut dem eigenen Ego allerdings gut, wenn man sich wie eine Gazelle von A nach B bewegen kann, auch wenn es eben „nur“ das Klo ist. Aber gut, was nicht ist, ist nicht. Immerhin, so denke ich mir, kommt jetzt Halloween und ich muss mich nicht allzu sehr in die Rolle eines halbtoten Zombies einfühlen.
Ich war letzthin bereits im Sanitätshaus des Vertrauens bei mir im Ort. Hab schon mal mit den Rollatoren geliebäugelt. Hab der Verkäuferin dann gesagt, dass einer von denen schon für mich funktionieren würde, gesetzt den Fall, er wird noch mit Glitter und regenbogenfarbenen Fransen getunt. Sie hat gelacht, wie immer. Viel lustiger war allerdings ein Pärchen, das mit mir im Shop war und einen antirutschfesten Klodeckel gekauft hat. Nein, das war nicht lustig. Sondern vielmehr, als die Frau ihren Mann darauf aufmerksam machte, dass es auch Leibstühle gibt, woraufhin der Mann in meine Richtung schaute. Ich so: „Hey, nein, ich bin kein Leibstuhl!“ Die Verkäuferin lachte wieder, wie gesagt, wie immer.
Aber jetzt zum Kernproblem: Warum bekommt man im Zuge des fortschreitenden Alterns sooo viele zusätzliche Haare? Und bitte versteht mich richtig, ich würde jetzt nicht „maunzen“, wäre es an Stellen, die in irgendeiner Weise einen Benefit haben. So zum Beispiel am Kopf, da wird der Wald ja lichter. Aber nein, ich bekomme Gesichtsbehaarung. WHAT? So einzelne, feine Härchen, früher hat man gesagt: „Hexenbart“. Geh bitteeeee! Das ist sooo unfair. Sehen meine Haare mittlerweile auch schlecht und haben sie sich einfach auf mein Kinn verirrt, als sie auf dem Weg zum Kopf waren? Außerdem sehe ich jetzt eh schon schlechter, wie soll ich die alle finden? Echt heiß!
Und wie verkauft man dieses „Add-on“ eigentlich dann in Single-Inseraten? „Sexy Hexy sucht scharfsichtigen Haarfreund!“? Na, ich weiß ja eher nicht?! Oder eher: „Hairy Mary sucht seheingeschränkten Hochflorteppichfreund“? Jetzt verstehe ich auch, warum ich letzthin im Barbershop gefragt wurde, ob ich gerne das ganze Gesicht enthaart bekommen möchte. So oder so, was für unerfreuliche Entwicklungen. Im Teenageralter sitzt man da und freut sich, dass man sich gegenseitig die Pickel ausdrückt, und im Alter? Zupft man sich dann die Haare aus und freut sich? Was für ein Verlauf? Na, ich bin mal gespannt, wie die Reise weitergeht. Was wohl das Nächste ist?