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Category: by cpure ©

parking for kisses and other bad ideas.

Leute, ich bin total aufgeregt. Gestern, auf dem Weg in den Stall zu meinem Pferd, hab ich eine tolle Werbetafel entdeckt. Im Zuge des Nova Rocks stand da ein Schild mit den Worten „Kiss and Ride“. Dachte, das muss ich ausprobieren! a) Sind die Spritpreise immer noch immens und b) sind meine letzten Kusserfahrungen schon ne Zeit her. Ergo, klingt nach einem guten Angebot! Ich bin also am nächsten Tag zeitig in der Früh losgefahren. Wenn schon, soll sich der Tag auszahlen! Da stand ich nun am Parkplatz, die Lippen frisch mit Pflegestift versehen und, safety first, noch ein Ersatz im Täschchen. Hab mir, während ich gewartet habe, auch schon so meine Gedanken gemacht, welche Besorgungen ich hätte, und eine kleine Route für den „Ride“-Faktor ausgearbeitet. Da stand ich nun. Was soll ich sagen, vielleicht war in der Früh kommen doch nicht die beste Idee? Ob ich’s am Abend nochmals probieren soll?

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business: within guidelines.

Irgendwann, lange, lange ist es sichtlich her, hat irgendjemand begonnen, ein ganz eigenes Buch zu schreiben. Inhaltlich wich es deutlich von anderen ab, denn da fanden sich keine Geschichten, keine Beiträge, keine Reports, noch nicht mal alte Protokolle. Und obwohl es gefüllt war mit einzelnen Worten, war es auch kein Wörterbuch im herkömmlichen Sinn. Es war eine schier unübersichtliche Ansammlung von ebenso unverständlichen Begriffen. Und das Eigenwillige daran war, dass jeder Mensch diese Ausdrücke laufend, gar inflationär benutzt, dennoch verstand niemand so richtig, was eigentlich genau damit gemeint war.

Immerhin hält sich das Buch an die Struktur des Alphabets. So stolpert man sofort bei A über das Wort „authentisch“. Dies scheint nicht nur ein vager Tipp fürs Berufsleben zu sein, sondern gar ein allumfassendes Erfolgsversprechen. Die Zusage also: Wenn man so ist, wie man ist, dann öffnet sich mannaartig der Berufshimmel. Wenn ich im Lateinunterricht aufgepasst habe (nicht), dann bedeutet das wohl so viel wie „eigenhändig“, „vom Urheber selbst stammend“ oder „echt“. Ich habe Fragen: Es geht also darum, dass ich im beruflichen Kontext möglichst ICH bin. Randfrage: Wer sonst? Der Profi von heute weiß aber, dass das so nicht durch den Wahrheitsdetektor durchgeht. Denn beruflich gesehen gibt es wohl mehr Masken als Gesichter in einer Montagmorgen-Videokonferenz mit – standardmäßig – ausgeschalteter Kamera.

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the business mullet of remote work.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern: Früher hatte ich Büro-Outfits. Heute habe ich Bildschirm-Outfits. Der Unterschied liegt ungefähr bei 70 Zentimetern: Alles oberhalb des Schreibtisches zählt. Bluse, Blazer, fettes Lächeln, gemachte Haare. Unten: die Dienstagsjogginghose. Der schnuffig weiche, bequeme Gummibund an all den Stellen, die sonst stundenlanges Baucheinziehen oder die Spax, die jetzt im Kasten liegen, forderten. Somewhere between my first Zoom call and my third lockdown coffee, I became the person Lagerfeld warned us about. Die neue Arbeitsuniform hat zwei Gesichter bekommen. Eines sichtbar und eines gut versteckt vor dem nächsten Videocall.

Damit entstehen Probleme, die niemand je kommen sah, und damit meine ich noch gar nicht die nächste Generation, der wir, wenn sie in ihren Jorts vor uns stehen, wo oben die Buxe zu sehen ist und unten die weißen Beinchen, sonst aber nichts, weil die Hose mehr breit, als, wie bereits angemerkt, hoch ist, sagen, dass das so nicht geht. Das ist kein geschäftstaugliches Outfit, nicht professionell und überhaupt und außerdem ein deutliches und klares erwachsenes Nein. Hmm, wie erkläre ich nun selbigen meinen Unter-der-Geschäftsäquatorlinie-Look?

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warning: you are being optimized.

Es war einmal vor langer, langer Zeit der gute alte Büroalltag, in dem Arbeitspartnerschaften noch einen Puls hatten und Missverständnisse eine deutliche Mimik. Die guten alten Zeiten, in denen man noch Stirnfalten oder hochgezogene Augenbrauen, vielleicht sogar mal ein trockenes „Naja“ gepaart mit dem einen oder anderen Augenrollen kassierte. Nur, dass wir die Dinge damals gar nicht so berauschend fanden. Menschliche Zusammenarbeit und Kommunikation war nie leichte Kost. Vielfach eher zum Haare raufen und Kopf schütteln, oftmals synchron. Aber, wenn jemand zum dritten Mal im Meeting mit demselben Vorschlag ums Eck kam, konnte man ihm wenigstens als ersten Bugschlag testweise nonverbal zu verstehen geben, wie stark genervt das Innere bereits demonstriert. Heute treiben sie uns das Gefühl von glücklichen Erinnerungen und ein wenig Pipi in die Augen.  

Heute: Mein neuer Kollege hat keinen Puls, aber er findet meinen in seiner aus Mustern bestehenden Welt präzisionsklar. Mimik kennt er nur aus dem Buch als bildhafte Darstellung, Stirnfalten wahrscheinlich aus einem Artikel über die menschliche Anatomie oder Körpersprache. Sarkasmus begreift er wie Wetter durch eine Fensterscheibe: Er erkennt maximal, dass draußen etwas passiert, aber nicht, warum ich innerlich bereits nass bin. Ach so, und sein algorithmischer Bumerang-Effekt übersteigt meinen mathematischen Speicher. Und genauso wie die Erklärschleifen in unserer täglichen Kommunikation wachsen, wächst meine sehr direkte Schnappkommunikation, proportional angesichts seiner Antworten: „Claudia, da hast du recht. Ich habe einen bereits verworfenen Ansatz wieder hervorgeholt. Das hätte nicht passieren dürfen.“ Spätestens an dieser Stelle weiß ich täglich nicht mehr, ob ich weiterarbeiten möchte oder einfach wieder mal komplett eskaliere. Und damit herzlich willkommen zu einem neuen meiner emotionalen Trainingstage in der KI-Assistenten-Welt: „Du hast recht. Ich habe wieder erklärt, warum es schiefging, statt einfach sauber zu liefern.“ Ihr kennt das vielleicht. Dieses moderne Arbeitsgefühl, bei dem man gleichzeitig dankbar, abhängig und kurz davor ist, sehr unprofessionell in ein Eingabefeld zu schreien. Früher konnte man wenigstens sagen: „Du hast mich doch gerade komisch angeschaut!“ Heute ist die Eskalation rein textbasiert und wird mit „Danke für dein Feedback“ quittiert.

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apparently, I come in supplements.

Ich muss gestehen, in letzter Zeit hab ich immer mehr das Gefühl, dass es mir bereits vor dem Frühstück den Vogel rausschießt, wobei ich wohl eher sagen muss: die Kapseln aus dem Regal. Gefühlt war da noch nie so viel Angebot für alles, was ich so haben will oder eben nicht. Und es scheint auch egal, welches Medium ich öffne: Sofort sind am Bildschirm Frauen und Männer, die ihren Blähbauch nicht so riesig gut finden, dafür aber gerne mehr Energie hätten; im besten Fall gibt’s 2 in 1. Es ist wie Körperbingo spielen, und wer zuerst alle Stellen abgedeckt bekommt. Das Angebot ist schier unendlich.

Hyaluronmasken fürs Gesicht, wenn da noch Platz ist, nachdem es sich Nasenpflaster und die Under-Eye-Patches dort schon wohnlich gemacht haben. Garniert wird das mit einer Kinnbandage und noch schlecht maskiert mit LED-Rotlicht. Am besten jetzt so schlafen gehen und morgen aufwachen im neuen Ich. Zumindest für 3,75 Minuten, bis die aufgebaute Spannung nachlässt. Um die 3,75 Minuten auf die gewünschten 24 Stunden auszudehnen, gibt’s dann noch ergänzend Pulver und Kapseln. Denn wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat, weiß man: Nur außen hilft halt einfach nichts.

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crispy. not everyone needs 360°.

Ich denke, es wird endlich mal Zeit, mich zu outen. Lange habe ich es im Stillen getan, heimlich und alleine zu Hause. Nur hinter verschlossenen Türen: Ich schaue unfassbar gerne Kochsendungen. Was insofern bemerkenswert ist, als ich selbst beim Kochen eher dem Bereich „interessierte Fernbeobachtung“ zuzuordnen bin. Einkaufen? Schwierig. Viele Menschen plus Parkplatzsuchen und Kassenwarteschlangen ergeben für mich ein sehr deutliches: Nein, danke! Verarbeiten? Noch schwieriger. Dauert einfach alles zu lange und was anderen Menschen die totale Befriedigung von Ruhe vermittelt, löst in mir ungefähr so viel Gelassenheit aus wie eine mit Panflötenmusik hinterlegte Warteschleife. Tief in mir will ich mir nur noch die innere Zwiebel abziehen und weinen. Essen? Große Stärke. Love it. Ich bin ein großer Fan von jeglichem Gaumenerlebnis, wenn es folgenden Kriterien standhält: Es muss klar als eine Portion Essen erkennbar sein, mal kurz angedeutet und wieder verschwunden reicht da nicht aus, und es muss mehr Substanz haben als ein, wenn auch biologisch durchaus gesund abbaubares Salatblatt. Und weil wir ja mittlerweile wissen, bin ich eine Wortakrobatin.

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wishing. terms and conditions apply.

Es wird wieder mal Zeit für eine kleine Märchenstunde, literally. Thema heute: Wünsch dir was. Was so herrlich unschuldig und magisch klingt, ja, das war es mal. In all den Märchen, die uns in Kindheitstagen dargeboten wurden, die heute, so überhaupt noch vorhanden, in Büchern am Dachboden oder im Keller verstauben. Vielleicht neben den Wünschen, die wir damals hatten.

Könnt ihr euch erinnern? Da war Aschenputtel, eine ganze Ansammlung von Magie, der Haselnussstrauch. Ich, als gebürtige Wienerin, weiß weder, wie so was aussieht, noch wo man so nen doofen Strauch findet. Dann die Zauberfee, die kommt und das traurige Aschenputtel in einen strahlend schönen Ballgast verwandelt. Wer mich mal gesehen hat, wie ich früh morgens in Richtung Pferdestall das Haus verlasse, ruft freiwillig die Zauberfee an und bittet um einen Wunsch für mich. By the way – sehr, sehr gerne!

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we’re all mad here. professionally.

Kurze und ehrliche Umfrage zum Tage: Wie oft seid ihr schon in einem Meeting gesessen, habt höflich genickt und dann einen absolut passenden Beitrag formuliert, obwohl euer innerer Kommentar eigentlich viel kürzer war, genauer gesagt nur aus drei Buchstaben bestand: WTF?

Persönlich denke ich, dass die Gruppe der „Dreibuchstabler“ viel größer ist, als wir das alle annehmen. Nur sagen wir uns so selten, dass wir auch sehr anonyme Mitglieder sind und das schon lange. Wir sitzen in Meetings, deren Ergebnis ein weiteres Meeting ist. Wir suchen Menschen, die anders denken, aber bitte am Ende des Tages perfekt zu uns passen. Wir propagieren offene Kommunikation, nur nicht zu offen, das stört dann doch die Harmonie, und so krasse „Ungustln“ (wie man oftmals in Wien hört) will dann echt niemand im Team haben. Wir wünschen uns Eigenverantwortung, solange aber dann doch vorher alles allseits abgestimmt und beglaubigt wurde. Und wir feiern Fehlerkultur, bevorzugt natürlich ohne Fehler, denn wenn wir uns ehrlich sind, unter dem Teppich wird’s schmutztechnisch echt schon eng. Nur ruft heute kaum jemand mehr: „Das ist doch verrückt.“ Wir nennen es Business.

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the breakfast club.

Ich möchte mich schon lange mal der Frage widmen, warum der frühe Vogel kaum einen Netzwerktermin bekommt. Seit Jahren lese ich all die fancy Bezeichnungen wie „After-Work-Partys“, „After-Work-Clubbing“, „After-Work-Networking“ und „Business- Sundowner“. Aber alle zu einem Zeitpunkt, an dem das Würmchen schon in Fötusstellung dem Polsterzipf lauscht. Wo sind die Networking-Termine für Menschen ohne Abendenergie, wo die Events für Menschen, die zu dieser Tages- oder besser Nachtzeit den Dresscode nicht mehr ansprechbar tragen? Gibt es tatsächlich keine Karriereoptionen zwischen Eierspeis und Marmelade?

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