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we’re all mad here. professionally.

Kurze und ehrliche Umfrage zum Tage: Wie oft seid ihr schon in einem Meeting gesessen, habt höflich genickt und dann einen absolut passenden Beitrag formuliert, obwohl euer innerer Kommentar eigentlich viel kürzer war, genauer gesagt nur aus drei Buchstaben bestand: WTF?

Persönlich denke ich, dass die Gruppe der „Dreibuchstabler“ viel größer ist, als wir das alle annehmen. Nur sagen wir uns so selten, dass wir auch sehr anonyme Mitglieder sind und das schon lange. Wir sitzen in Meetings, deren Ergebnis ein weiteres Meeting ist. Wir suchen Menschen, die anders denken, aber bitte am Ende des Tages perfekt zu uns passen. Wir propagieren offene Kommunikation, nur nicht zu offen, das stört dann doch die Harmonie, und so krasse „Ungustln“ (wie man oftmals in Wien hört) will dann echt niemand im Team haben. Wir wünschen uns Eigenverantwortung, solange aber dann doch vorher alles allseits abgestimmt und beglaubigt wurde. Und wir feiern Fehlerkultur, bevorzugt natürlich ohne Fehler, denn wenn wir uns ehrlich sind, unter dem Teppich wird’s schmutztechnisch echt schon eng. Nur ruft heute kaum jemand mehr: „Das ist doch verrückt.“ Wir nennen es Business.

Für mich fühlt es sich täglich an wie der Sprung ins Kaninchenloch; ich lande zwischen einem ständig gestressten Hasen, einer rauchenden Raupe, einer unsichtbar werdenden Katze und einem Hutmacher, der aus jeder simplen Frage zuverlässig eine neue Teerunde macht. Klingelt da was? Ja genau: Welcome to Alice im Wunderland. Nur dass ich nicht Alice heiße, aber sonst scheinen die Story und die Rollen auffällig gut zu passen. Ihr glaubt mir nicht. Gebt mir eine Minute: Also, dann sag ich mal willkommen in meinem Kopf. Stellen wir uns also vor, vier davon sitzen gemeinsam in einem Meeting.

Das weiße Kaninchen, Senior Project Manager, ist natürlich schon fünf Minuten zu spät, obwohl es den Termin selbst initiiert hat, vor 14 Tagen. Es kommt mit aufgeklapptem Laptop herein, hat gleichzeitig Teams offen, drei ungelesene Nachrichten im Blick und erklärt noch vor dem Hinsetzen, dass wir heute wirklich hard stop nach 30 Minuten haben. Die Timeline sei ohnehin sportlich, zwei Milestones davon bereits kritisch und direkt danach wartet schon der nächste Status-Call. Also bitte heute fokussiert.

Dann der Hutmacher, sein Titel: Agile Coach. Während das Kaninchen noch seine Ansprache hält, hat er die ursprüngliche Agenda bereits verworfen. Punkt drei sei eigentlich kein eigener Punkt, sondern ein „Themencluster“, Punkt eins brauche zuerst ein Alignment und für Punkt zwei wäre ein gesonderter Workshop wahrscheinlich zielführender. Bevor irgendjemand im Raum versteht, was dann das heutige Thema ist und ob ich jetzt was sagen kann, weil es auf der Liste steht oder lieber Fokus und still sein, kleben bereits zwölf digitale Post-its im Miro-Board und ein Follow-up für Donnerstag ist eingestellt.

Humpty Dumpty, Head of Corporate Communications, sitzt am anderen Ende des Tisches und möchte zuerst eine Sache richtigstellen: Das Projekt sei keineswegs verspätet. Man habe lediglich den zeitlichen Erwartungshorizont an die aktuelle Entwicklung angepasst. Überhaupt sei „Deadline“ ein unnötig negativ aufgeladener Begriff. Intern würde man künftig lieber von einem „flexiblen Delivery Window“ sprechen.

Ganz soooo unfassbar weit hergeholt ist mein kleines Business-Wunderland plötzlich nicht mehr, oder? Die Rollen scheinen jedenfalls erstaunlich leicht besetzbar.

Ich persönlich habe jedenfalls aufgehört, nach dem Ausgang aus dem Kaninchenloch zu suchen, und begonnen, mich nach den anderen Figuren umzusehen. Stift und Block habe ich inzwischen vorsorglich dabei. Manche Begegnungen muss man einfach dokumentieren – wer glaubt einem das auch sonst?!

Aber keine Sorge, ihr dürft jetzt wieder aus dem Kaninchenloch klettern. Das war natürlich alles nur ein Märchen. Erfunden, komplett überzeichnet, völlig unrealistisch und in dieser Form im echten Business niemals anzutreffen.

Also wirklich niemals.

Oder?