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the business mullet of remote work.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern: Früher hatte ich Büro-Outfits. Heute habe ich Bildschirm-Outfits. Der Unterschied liegt ungefähr bei 70 Zentimetern: Alles oberhalb des Schreibtisches zählt. Bluse, Blazer, fettes Lächeln, gemachte Haare. Unten: die Dienstagsjogginghose. Der schnuffig weiche, bequeme Gummibund an all den Stellen, die sonst stundenlanges Baucheinziehen oder die Spax, die jetzt im Kasten liegen, forderten. Somewhere between my first Zoom call and my third lockdown coffee, I became the person Lagerfeld warned us about. Die neue Arbeitsuniform hat zwei Gesichter bekommen. Eines sichtbar und eines gut versteckt vor dem nächsten Videocall.

Damit entstehen Probleme, die niemand je kommen sah, und damit meine ich noch gar nicht die nächste Generation, der wir, wenn sie in ihren Jorts vor uns stehen, wo oben die Buxe zu sehen ist und unten die weißen Beinchen, sonst aber nichts, weil die Hose mehr breit, als, wie bereits angemerkt, hoch ist, sagen, dass das so nicht geht. Das ist kein geschäftstaugliches Outfit, nicht professionell und überhaupt und außerdem ein deutliches und klares erwachsenes Nein. Hmm, wie erkläre ich nun selbigen meinen Unter-der-Geschäftsäquatorlinie-Look?

Sondern die Frage ist für mich auch täglich: Wohin mit diesem Kontrastpaar? Ist dieser postmoderne Zweiteiler über die digitale Bürokante hinaus auch alltagstauglich? Nun, ich denke eher nicht. Zumeist löst der Look Staunen aus, aber nicht auf eine gute Art und Weise. Eher in Richtung: Die arme Frau hat wohl mit ihrem Leben endgültig abgeschlossen, oder: Manno, ist die fertig, sie hat gar nicht bemerkt, dass sie vergessen hat, die Jogginghose zu wechseln. Auch meine Lieblings-Paketboten haben inzwischen eine eigene Beziehung zu diesem Look entwickelt. Sie sehen mich regelmäßig halb fertig, also halb offiziell und schon halb Jour fixe. Oben das megamoderne Headset, das wild blinkt, und unten bei gutem Wind die Jogginghose, die ich erst seit 5 Jahren habe, die wild aussieht. Das ist dann aber nicht meine Lieblingswohlfühlschlabberhose. Normalerweise sieht die aber nur mein Hund oder mein Pferd. Das heißt im Umkehrschluss, ich liebe sie deshalb, weil wir schon viele Stunden Couch und Snacks miteinander verbracht haben, und diese Spuren lassen sich nicht nur erahnen.

Besonders schwierig wird es im Supermarkt. Man könnte ja vermuten, dass sich dort alle Gesellschaftsschichten, ein buntes Potpourri an möglichen und unmöglichen Outfits, herzlich die Hand reichen und trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft gut miteinander können. Meine Erfahrung: Es ist die Widersprüchlichkeit, die Unbehaglichkeit erzeugt. Hoodie gepaart mit Jogginghose: akzeptabel. Blazer und Rock sind ebenso annehmbar. Aber Blazer, Creolen, Lippenstift und darunter eine ausgebeulte Joggingflötze erzählen keine klare und vor allem keine vertrauenswürdige Geschichte. Sie bestehen darauf, Abstand zur Trägerin zu halten. Wer weiß, wie weit die nächste ebenso nicht wohl durchdachte Entscheidung ist.

Mir fällt also auf, dass moderne Arbeit, sei es remote tätig zu sein oder mein täglicher Umgang mit modernen Arbeitstools, deutliche Nebenwirkungen hat. Es macht mich nicht nur zu einem modisch gesehen nicht sehr eindeutig platzierten Lebewesen. Sondern auch zu einem Menschen, der seine Arbeit inzwischen nicht mehr beginnt, sondern „anpromptet“. Man kann es nicht schönreden: Moderne Arbeit hat aus mir ein zwischen Blazer und Bot verortetes Geschöpf gemacht oder, wie ich es nenne, einen PPM, einen Prompt-Pyjama-Menschen. Karl, I am so sorry!