Irgendwann kommt offenbar der Moment, an dem alte Selbstbeschreibungen nicht falsch sind, aber auch nicht mehr ganz stimmig. Ein bisschen wie eine Lieblingsjacke, die immer noch passt, nur irgendwie nicht mehr zu allem, was inzwischen dazugehört. Außerdem kneift sie dort und da. Weshalb auch hier eine neue, überarbeitete Version meinereiner ins Licht rückt.
Hauptberuflich Mensch. Die Vollzeit-Empathin, klassische Overthinkerin, spirituelle Wackelkandidatin und nächtliche Wollsockenträgerin gibt es natürlich noch. Emotionen werden bei mir nach wie vor nicht in Probiergrößen ausgeliefert. Und wenn ich mich freue, dann noch immer so, dass es auch der Nachbartisch mitbekommt. Und wenn mich etwas ärgert, übernimmt der innere Wutzwerg immer noch zuverlässigst die Frühschicht. Nur ist da inzwischen etwas mehr Ruhe zwischen all den Ausrufezeichen eingezogen. Nicht immer freiwillig und sicher nicht flächendeckend, aber immerhin. Wer mutig sein möchte, verwendet an dieser Stelle gerne den Satz mit dem „Alter“.
Meine unfassbare Neugierde ist ebenfalls geblieben. Vor allem bei Sätzen und Wörtern – da reicht oft ein einziges schiefes Exemplar und ich bin stundenlang beschäftigt. Lernen macht mir auch noch immer konstant Freude. Natürlich nur wegen der Inhalte & all des wichtigen Wissens, das da draußen verfügbar ist. Machen wir uns nichts vor: Für das eine oder andere Fleißsternchen bin ich bis heute erstaunlich empfänglich.
Und dann wäre da noch mein Verhältnis zu Bewegung, Entwicklung und Veränderung. Stillstand und ich werden vermutlich keine späte Liebesgeschichte mehr. Auch seine Freundin, Geduld und ich kennen uns inzwischen wirklich lange. Sympathischer ist sie mir dadurch allerdings nicht geworden.
Aber wie ich immer sage: Vielleicht sind es ja doch die Umwege, die die besten Wege sind, da irgendwo zwischen falsch abgebogen, kurz geflucht und neu orientiert oft erstaunlich viel passiert.
Heute gehören zu meinem Leben ein Pferd und ein Hund. Also Pippi Langstrumpf in leicht abgewandelter Besetzung, sozusagen eine Neuauflage. Beide sorgen auf sehr unterschiedliche Weise dafür, dass ich regelmäßig dort lande, wo weder Bildschirm noch To-do-Liste besonders wichtig sind. Und beides hat dazu beigetragen, dass ich einen Großteil meiner Freizeit sozusagen inkognito verbringe – mit fettigem Haar, Stallklamotten, Dreck an Stellen, an denen Dreck eigentlich nichts verloren hat, und einem Geruch, den man freundlich als sehr naturverbunden bezeichnen könnte.
Und so sieht sie aktuell aus, die überarbeitete Version meinereiner. Ein bisschen ruhiger, an einigen Stellen klarer, weitaus deutlichere Grenzen und ein sehr ausgeprägtes Alarmsystem, noch immer neugierig, bewegungsfreudig und emotional selten unter Zimmerlautstärke – dafür inzwischen häufiger mit Heu im Haar und Schmutz an den Klamotten. Ob das jetzt die finale Version ist? Ich bitte euch. Ihr kennt mich doch.
