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Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Ärzte hier bei mir in der Region und ich nicht auf sooo runden Füßen stehen. Mag es daran liegen, dass die Zehen der ortsansässigen Aborigines anders aussehen oder ich den Zugang der Kommunikation nicht ganz deuten kann, aber da ist der Wurm drinnen. Warum? Ich erzähle es euch.

Gestern war ich beim Zahnarzt. Nun, so weit keine Besonderheit. Auch die Anfahrtszeit erschreckt mich nicht mehr. Ob ich jetzt innerstädtisch im Stau stehe oder flüssig in einem durchfahre, die Zeit bleibt wohl identisch. Ich habe mich auch daran gewöhnt, dass die tatsächliche Zieladresse gar nicht leicht zu finden ist, da diese meist zwischen Feldern, Bauschildern und Einfamilienhäusern vergraben ist. Nicht erst einmal habe ich mich in einem sehr schön positionierten und sehr privaten Zuhause nach einem Termin erkundigt, sehr zur Verwunderung der noch immer sehr privaten Bewohner.

Woran ich mich allerdings nicht gewöhnen möchte, ist die Kommunikation. Nein, auch nicht korrekt, eher nur ein Wort, und zwar „altersgerecht“. Anstelle einer fundierten Diagnose höre ich nunmehr VOR allem anderen den lapidaren Verweis „altersgerecht“. Und um ehrlich zu sein, fühle ich mich langsam wie beim Autokauf, wenn man feststellt, dass die angezeigte Kilometerzahl, nun ja, ihr wisst schon, in einem Bereich angekommen ist, wo man in sich geht und überlegt, wie lange der „Kübel“ noch fährt.

Aber gestern, das übertraf meine Erwartungen. Der Aufruf zum Röntgen folgte schnell und bevor die Rundumbeleuchtung anfing, fragte mich die freundliche Ordinationsassistentin: „Prothese?“ Sag mal, geht’s noch? Und bevor ich die Frage beantwortete, schallte es aus meiner Zimmerseite zurück: „Nun ja, früher wurde ich gefragt, ob ich schwanger sei, heute dann wohl eher, ob ich Prothesen habe.“ Sie lächelte, ich – nicht. Und während sie bei jedem Foto fröhlich das Zimmer verlässt, frage ich sie beiläufig: „Hmm, einen Röntgenschutz brauche ich wohl auch nicht mehr in dem Alter, oder?“ Sie lächelte, ich – nicht, während sie mir – wiederum außerhalb des Raumes – zuwirft: „Ah, das ist heutzutage nicht mehr gefährlich.“ Und ich: „Weshalb sie mir auch außerhalb des Raumes antworten, oder?“ Sie lächelte, ich – nicht.

Ich wiederhole: Prothese! Aber keine Sorge, beim nächsten Arztbesuch bin ich sicher, sie fragt mich nicht mehr nach Prothesen – eher, ob ich schon die Seniorentickets für den Bus habe.

Was geht da ab? Ab welchem Alter bzw. ab welchem Zeitpunkt ändern sich Ansprachen und wieso sagt einem das niemand? Fuck! Und was ist dann die nächste Kommunikationsstufe? „Hey, toll, dass Sie noch da sind?“ „Sie sind ja wahrlich ein lebendes Wunder!“ Oder vielleicht: „Gratuliere, dem Tod jedes Mal davonzulaufen, ist eine großartige Leistung!“ Also, wenn das so weitergeht, bestelle ich beim nächsten Arztbesuch gleich ein Taxi, das mich direkt in die Seniorenresidenz fährt – mit einer VIP-Lounge im Wartezimmer des Sterbens.

Ich fasse zusammen: Sowohl meine Augen als auch meine Zähne sind absolut altersgerecht – sie sehen nur noch, was sie wollen, und beißen nur noch, wenn es wirklich notwendig ist, demnächst mal einen Arzt. Und so bleibt mir nur noch zu sagen: Ich werde wohl bald das nächste Mal zur Kontrolle nicht nur meinen Arzt, sondern auch den Bestatter anrufen müssen – sicher ist sicher! Und ich fahre im heißen Rollator vor. Glaubt mir, der wird eine “Dröhte” vorne haben, dass es ihnen die Ohren rauspfeift. Ich werde denen noch zeigen, was altersgerecht bedeutet. Guckt gerne mal Zombiefilme, die sind auch nicht tot zu bekommen…