Wir haben immerhin fünf Wahrnehmungskanäle: das Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen. Und wir sind so fixiert darauf, unsere Welt über diese Kanäle in uns aufzunehmen. Da bin ich nicht anders. Ich war immer der Meinung, dass ich die für mich „richtigen“ Dinge, Menschen, Jobs… schon erkenne, schon sehe, wenn sie vor meiner Nase stehen und ich sie anstarre. Manch einer hätte jetzt vielleicht ähnlich begonnen und geschlossen mit: „Ich höre es schon.“ Bei mir war es immer das SEHEN. Nicht nur, weil ich ja ein kluges und superkopflastiges Mädchen bin, sondern weil es ja auch der VAKOG-Test bestätigt hatte. Gut, jetzt muss man dazu sagen, dass das SEHEN noch immer der meistverbreitete (statistisch gesehen) ist. Jeder hat ja oft so ein Gefühl, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Bei mir ist es (so sagt der Test) nun mal SEHEN und FÜHLEN. Mit HÖREN habe ich es nicht so – upsi – by the way.
Also bin und war ich immer fixiert darauf, die Dinge schon zu sehen, zu erblicken und für mich besonders wichtig, sie zu erkennen. Wobei das nur halb stimmt, denn ein Teil von mir war offen, auch Dinge wiederzuerkennen. Und damit meine ich nicht so sehr, Menschen oder Situationen wiederzuerkennen bzw. wiederzuerleben, die länger nicht Teil meines Lebens waren. Ich war auch immer offen dafür, Dinge oder Menschen wiederzusehen, die ich möglicherweise in einem anderen Leben, auf einem anderen Planeten oder whatever bereits mal gekannt hatte. Das kann man jetzt ähnlich oder gleich wie ich sehen oder auch nicht. Wichtig daran ist ausschließlich, dass ich total fixiert war auf meine AUGEN. Ich habe ihnen vertraut, habe mich auf sie verlassen, habe in allen kleinen oder großen Situationen in meinem Leben ganz genau hingeschaut, beobachtet. So viele Momente, in denen ich Räume fast gescannt habe, innerlich immer irgendwie auf der Suche nach dem Bekannten, nach dem Wiedererkennungswert.
Und es ist so witzig – womit ich das Leben meine oder das Universum meine. Auch hier: whatever. So sehr ich mich mühte, das Besondere da draußen zu sehen, waren es nicht meine Augen, die mich das erkennen ließen. Es war meine Seele & mein Herz – ihr wisst, was jetzt kommt – richtig: whatever. Ich habe es nicht gesehen, nicht kommen gesehen, obwohl es vor meiner Nase war und ich darauf gestarrt habe. Es war meine Seele, noch weit vor meinem klugen Köpfchen und mein Herz vor meinen Lauscherchen.
Und so stand ich da, mit offenen Augen, doch vollkommen blind für das, was wirklich wichtig war. Ich hatte immer geglaubt, dass nur das, was ich mit meinen Augen sehen konnte, wirklich zählte. Doch es war nie das, was direkt vor mir lag, das mich wirklich berührte. Es war das, was ich nicht sah – was unter der Oberfläche lag, was meine Seele und mein Herz spürten, lange bevor mein Verstand es erfasste.
Mein Leben lang habe ich immer versucht – so gut es ging – Situationen zu kontrollieren und auch hier in dem ständigen Fokussieren auf einen Wahrnehmungskanal. Wahre Erkenntnis kommt nicht nur durch das bloße Hinschauen. Es kommt durch das Fühlen – das Zulassen, dass die Dinge sich entfalten und das immer zum genau richtigen Zeitpunkt, ohne dass ich ständig die Kontrolle über sie haben muss.
In diesem Moment wurde mir klar, dass es nicht darum ging, „das Richtige“ zu sehen – sondern dass da ein Teil, ein sehr wertvoller Teil in mir ist, der es bereits weiß und der es immer wusste. Vielleicht hatte ich all die Jahre über die falsche Perspektive gehabt, sicher sogar. Ich habe Dinge gesehen, dachte, sie zu sehen, und war doch so unfassbar blind. Und es war schon gar nicht die bewusste, kognitive Entscheidung, die meine Rüstung schmelzen ließ, sondern einfach nur dieses innere Wissen meiner Seele. All meine Anstrengungen, noch genauer hinzuschauen, das Streben nach Kontrolle, das Suchen nach dem „richtigen“ Moment, war das, was es war: Dass ich immer schon unbewusst wusste, was ich brauchte, was für mich richtig war – und es war nicht das, was ich gesehen hatte, sondern das, was meine Seele sofort wiedererkannte.