Ich habe euch lange nicht mehr mitgenommen auf einer meiner Pippi-Ausflüge. Auch sie braucht ihre Zeit, um zu regenerieren, sich neu aufzuladen, mit der stillen Gewissheit, dass die nächste große Reise, vielleicht ja sogar ihre wichtigste, bereits vor der Türe steht, die Klingel fest im Blick. Nun, heute ist es wieder mal so weit.
Kennt ihr das? Es gibt so Gespräche, Aussagen, Sätze oder Wörter, die sich bei uns ins Nervensystem brennen. Aber nicht auf die kuschlige Art und Weise, sondern eher auf die ne Stelle, die nicht aufhört zu jucken. Ich hatte so ein Gespräch. Ein Satz, der feststeckt wie so ein superstaubiges Knäckebrot. Der Satz: „Wir arbeiten in zwei unterschiedlichen Systemen!“ welcher Einzug gefunden hat. Da musste Pippi erst einmal innehalten und ihren inneren Herrn Nilsson erstmal eingehend befragen. Eh die superlustige, affige Seite in mir und net die, die sich wie eine Jalousie zusammenraffte.
Jetzt ist mir seit jeher klar, dass ich immer eher so der Business-Clown war, oder noch besser ein Business-Einhorn. Also, man sieht mich selten, da ich remote arbeite. Man kennt mich aber aus Mythen oder von der Mitarbeitendenliste. Mein magischer Staub ist wohl mein Talent zum #Plauderbalken. So nenne ich mich jetzt. Das macht es auch für andere leichter einzuordnen, dass ich verdammt viel rede. Und dann wäre da, um zum Einhorn zurückzukommen, natürlich noch das spitze Horn für den äußersten Notfall, das dann deutlich zum Kampf bläst, sollte es nötig sein.
Als Business-Einhorn, sehe ich die Welt ja grundsätzlich eh schon weit grübeliger, oder wie jetzt auf meinem LinkedIn-Profil zu lesen ist: „Kopfkino-Regisseurin“. Was nichts anderes heißt als: wonder so much why. Und dann höre ich: Zwei Systeme. Während also die eine Hälfte meines Oberstübchens karmakorrekt aussortiert: Ich arbeite, du nicht. Ich bin schlau, du nicht. Ich kann kommunizieren, du jetzt nicht so, arbeitet meine andere, weit nettere Hälfte an: Du Mikromanager für mich gerade ein Mikroabenteuer mit dir zu sprechen. Wir beide mögen Kleinigkeiten: Du kontrollierst sie gerne, ich baue aus ihnen Welten. Du eher so (D)ein-Weg, ich eher so Möglichkeitsdenkerin. Das alles, bevor mein Erwachsenen-Ich alle zum Stillsein ruft.
Was nachhallt sind: zwei Welten. Da wären wir also. Ich weiß, unser Kopf mag Schubladen. Oder zumindest mögen viele Menschen sie. Ist einfach. Lade auf und rein damit. Case closed. Meines will wissen: Warum sind es 2? Nur 2? Ist Vielfalt nicht super? Ist es sinnvoll, sich von anderen abzugrenzen? Und, dann hatte ich den Lösungstermin. In dem Gespräch hatte ich erfahren, dass ich, obwohl ich – nun, ich möchte das jetzt etwas umschreiben – nur ein Stückchen vom Törtchen möchte, dennoch die ganze Torte zahlen muss. So steht´s in den Regeln geschrieben. Ob das jetzt genauso Sinn macht, darüber haben sich sichtlich schon andere, weit verständiger Menschen Gedanken gemacht. Erfolgreich? Nun, dass soll jemand anderer entscheiden. Während ich noch mit einem festgefrorenen Lächeln enthusiastisch sage: „Nun gut, aber wenn ich jetzt beim Bäcker um die Ecke nur ein Stück möchte, zahle ich ja auch nicht die gesamte Torte?!“, bläst mir bereits eine deutlich steifere Front entgegen. „So ist das!“
So zog Pippi von dannen. Leider nicht mit der ganzen Torte, aber mit einer neuen Erkenntnis im Gepäck: Vielleicht arbeiten wir tatsächlich in zwei unterschiedlichen Systemen. Das eine hält sich exakt und haarscharf an das Rezept, die vorgesehene Größe und die Regel, dass Torten nun einmal nur im Ganzen verkauft werden. Das andere fragt sich, warum ein einzelnes Stück plötzlich unmöglich sein soll, nur weil es so noch nicht auf der Karte steht.
Pippi wird also weiterziehen. Vermutlich zum nächsten Bäcker. Oder sie backt selbst. Eher letzteres.